Digitalisierung

KI-Dokumentation oder klassisches Diktat: Was ist die beste Wahl für Ihre Zahnarztpraxis?

Die Behandlungsdokumentation raubt in vielen Zahnarztpraxen die Stunden nach dem Feierabend. Diktat und Spracherkennung waren jahrelang die Antwort darauf – seit KI-Dokumentation verfügbar ist, stellt sich die Frage neu. Dieser Artikel vergleicht beide Verfahren nüchtern und zeigt Ihnen, welches zu Ihrer Praxis passt.

27.8.2026
Redaktion
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output:  Moderner Krankenhausflur mit Empfang und Pflanzen.

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In diesem Artikel lesen Sie:

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Diktat formulieren Sie den Dokumentationstext aktiv selbst, bei der KI-Dokumentation entsteht der Entwurf automatisch aus dem Behandlungsgespräch.
  • Das Diktat verkürzt die Schreibarbeit, verlangt aber weiterhin einen bewussten Arbeitsschritt von Ihnen – KI-Dokumentation setzt eine Stufe früher an und verschiebt Ihre Aufgabe vom Formulieren zum Prüfen.
  • Ausschlaggebend für Ihre Entscheidung sind Behandlungsspektrum, Anbindung an Ihr Praxisverwaltungssystem und die Frage, wie Sie die Einwilligung Ihrer Patienten organisieren.

Der Praxisalltag: Wenn der Abend mit der Karteikarte beginnt

18:40 Uhr. Der letzte Patient hat die Praxis verlassen, das Behandlungszimmer ist aufbereitet, Ihr Team verabschiedet sich. Und Sie sitzen vor dem Bildschirm mit elf offenen Karteikarten – oder, wenn Sie bereits diktieren, mit sieben unbearbeiteten Aufnahmen auf dem Gerät.

Medizinisch haben Sie an diesem Tag alles richtig gemacht. Dokumentarisch beginnt Ihr Arbeitstag jetzt noch einmal von vorn. Genau an dieser Stelle setzen beide Verfahren an, die wir in diesem Artikel gegenüberstellen – allerdings an unterschiedlichen Punkten des Prozesses.

Was bedeutet Diktat in der Zahnarztpraxis konkret?

Der Begriff „Diktat“ umfasst in der Zahnarztpraxis drei unterschiedliche Verfahren, die sich in Aufwand und Zeitpunkt deutlich unterscheiden. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Sie je nach Variante an einer ganz anderen Stelle Zeit verlieren.

Das Nachdiktat: Sie sprechen Ihre Dokumentation nach der Behandlung auf ein digitales Diktiergerät oder direkt in eine Anwendung. Die Aufnahme wird anschließend transkribiert – automatisiert per Spracherkennung oder durch eine Schreibkraft. Der Vorteil: Sie sind während der Behandlung frei. Der Nachteil: Die Dokumentation wandert zeitlich nach hinten, und die Erinnerung an Details verblasst mit jedem weiteren Patienten.

Die Live-Spracherkennung: Sie diktieren direkt in die Karteikarte Ihres Praxisverwaltungssystems, der Text erscheint in Echtzeit auf dem Bildschirm. Das ist der derzeit verbreitetste Ansatz in Arztpraxen. Sie müssen dabei allerdings bewusst formulieren, also gedanklich vom Behandlungsmodus in den Dokumentationsmodus wechseln – oft mit dem Patienten im Raum.

Die Befundansage an die Assistenz: Sie nennen Befunde und Leistungen, Ihre Stuhlassistenz überträgt sie ins System. Dieses Verfahren ist in der Zahnmedizin traditionell stark verbreitet und funktioniert bei standardisierten Befunden gut. Es bindet aber dauerhaft eine zweite Person und verlagert die Verantwortung für die korrekte Erfassung teilweise weg vom Behandler.

Allen drei Varianten ist eines gemeinsam: Die Dokumentation entsteht, weil Sie sie aktiv erzeugen. Sie bleibt ein eigener Arbeitsschritt.

Wie funktioniert die KI-Dokumentation im Behandlungszimmer?

Bei der KI-Dokumentation entsteht der Dokumentationsentwurf aus dem Behandlungsgespräch selbst, ohne dass Sie zusätzlich diktieren müssen. Fachlich wird dieses Prinzip auch als Ambient-Dokumentation bezeichnet.

Der Ablauf ist unauffällig: Sie starten die Aufnahme zu Beginn der Behandlung und arbeiten dann wie gewohnt. Das System hört im Hintergrund mit, erkennt kontextbezogen die medizinisch relevanten Inhalte und verwirft alles andere – Begrüßungsfloskeln, Terminabsprachen, das Gespräch über das Wetter. Am Ende liegt ein strukturierter Entwurf vor, den Sie prüfen und freigeben.

Der entscheidende Unterschied zum Diktat liegt also nicht in der Technik, sondern in Ihrer Rolle: Sie formulieren nicht mehr, Sie kontrollieren. Die fachliche Verantwortung bleibt dabei vollständig bei Ihnen – die Freigabe ist kein Formalakt, sondern der Punkt, an dem Sie die Dokumentation zu Ihrer eigenen machen.

Die KI-Dokumentation von Nelly arbeitet nach genau diesem Prinzip. Die Termine werden aus Ihrem Praxisverwaltungssystem übernommen und nach Behandler und Raum gefiltert angezeigt, sodass Sie die Behandlung mit einem Klick starten. Eine medizinische Analyse oder Bewertung nimmt die Lösung ausdrücklich nicht vor – sie erfasst und strukturiert, die Beurteilung bleibt bei Ihnen.

Wie sich das im Alltag einer Praxis anfühlt, zeigt ein Praxisbeispiel aus Berlin.

Wo liegen die Unterschiede im direkten Vergleich?

KI-Dokumentation und Diktat unterscheiden sich vor allem darin, wann der Dokumentationsaufwand anfällt und wie viel Aufmerksamkeit er im Behandlungszimmer bindet. Da viele Zahnarztpraxen bis heute weder das eine noch das andere nutzen, stellen wir die manuelle Eingabe als dritte Variante daneben.

Die Tabelle zeigt ein Muster: Das Diktat verbessert die manuelle Eingabe, KI-Dokumentation ersetzt sie durch ein anderes Vorgehen. Wer vom Tippen zum Diktat wechselt, beschleunigt einen bestehenden Arbeitsschritt. Wer zur KI-Dokumentation wechselt, lässt diesen Arbeitsschritt weitgehend entfallen – und tauscht ihn gegen eine Prüfpflicht ein.

Welches Verfahren spart im Praxisalltag mehr Zeit?

Die KI-Dokumentation spart in der Regel mehr Zeit als das Diktat, weil sie nicht nur das Schreiben beschleunigt, sondern den Dokumentationsvorgang als eigenständige Aufgabe auflöst.

Rechnen Sie es an einem normalen Behandlungstag durch. Beim Diktat sprechen Sie pro Patient zwei bis drei Minuten Dokumentation ein, dazu kommt das Korrekturlesen der Transkription. Bei zwanzig Patienten summiert sich das spürbar – und es sind zwanzig bewusste Unterbrechungen, in denen Sie den Kopf vom Befund zur Formulierung umschalten.

Bei der KI-Dokumentation entfällt dieser Umschaltvorgang. Die Zeit, die Sie investieren, ist die Prüfzeit am Entwurf. 

Ebenso wichtig wie die reine Zeit ist allerdings, wann sie anfällt. Dokumentation, die abends nachgeholt wird, kostet Sie nicht nur Minuten, sondern den Feierabend. Dokumentation, die parallel zur Behandlung entsteht, kostet Sie Aufmerksamkeit im Moment – aber sie ist erledigt, wenn der Patient den Raum verlässt.

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit des Vergleichs: Die Zeitersparnis stellt sich nicht am ersten Tag ein. In der Anfangsphase prüfen die meisten Behandler die Entwürfe sehr gründlich, was den Vorteil zunächst aufzehrt. Erst wenn Sie ein belastbares Gefühl dafür entwickelt haben, worauf Sie beim Prüfen achten müssen, greift der Effekt vollständig.

Was bedeutet die Methode für Ihre Rechtssicherheit?

Für die Rechtssicherheit Ihrer Dokumentation ist weniger die eingesetzte Technik entscheidend als der Zeitpunkt der Erfassung – und hier hat die KI-Dokumentation einen strukturellen Vorteil.

Der Gesetzgeber ist an dieser Stelle eindeutig. Nach § 630f BGB sind Sie verpflichtet, in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung eine Patientenakte zu führen und alle wesentlichen Maßnahmen aufzuzeichnen. Und § 630h Abs. 3 BGB regelt die Konsequenz: Eine Maßnahme, die nicht dokumentiert wurde, gilt im Streitfall als nicht durchgeführt. Diese Beweislastumkehr ist der Grund, warum lückenhafte Dokumentation nicht nur ein Haftungsrisiko darstellt, sondern auch Honorar kostet.

Für Ihre Entscheidung heißt das konkret:

  • Nachdiktat am Abend: rechtlich zulässig, aber der zeitliche Zusammenhang wird dünner, und Details gehen verloren
  • Live-Diktat: zeitlich unproblematisch, hängt aber davon ab, dass Sie im Moment an alles Relevante denken
  • KI-Dokumentation: entsteht während der Behandlung und erfasst auch das, was Sie beim aktiven Diktieren möglicherweise übergangen hätten

Der entscheidende Punkt bleibt in allen drei Fällen derselbe: Die Verantwortung für die Richtigkeit der Dokumentation ist nicht delegierbar. Auch ein KI-generierter Entwurf wird erst durch Ihre Prüfung und Freigabe zur ordnungsgemäßen Dokumentation. Wer Entwürfe ungelesen bestätigt, hat ein Haftungsproblem.

Worauf müssen Sie bei Datenschutz und Einwilligung achten?

Hier liegt der klarste Nachteil der KI-Dokumentation: Sie erfordert einen sauber organisierten Einwilligungsprozess, den das klassische Diktat in dieser Form nicht braucht.

Der Grund ist naheliegend. Beim Diktat zeichnen Sie Ihre eigene Stimme auf. Bei der KI-Dokumentation wird das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Patienten erfasst – und damit die Äußerungen einer zweiten Person.

Rechtlich ergeben sich daraus zwei Ebenen:

Strafrechtlich: Das unbefugte Aufnehmen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist nach § 201 StGB strafbar. Eine stillschweigende Annahme, der Patient sei schon einverstanden, genügt ausdrücklich nicht. Die Einwilligung muss aktiv und vor Beginn des Gesprächs vorliegen.

Datenschutzrechtlich: Was im Behandlungszimmer besprochen wird, sind Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO und damit besonders geschützt. Ihre Patienten müssen vorab darüber informiert werden, dass aufgezeichnet und transkribiert wird, zu welchem Zweck das geschieht, wie lange gespeichert wird und dass ein Auftragsverarbeiter beteiligt ist. Sie müssen außerdem eine Alternative ohne Aufzeichnung anbieten können, und die Einwilligung muss jederzeit widerrufbar sein.

In der Praxis hat sich ein zweistufiges Vorgehen bewährt:

  1. Grundsätzliche Einwilligung bei der Aufnahme: Der Patient willigt schriftlich oder digital in die Nutzung der KI-gestützten Dokumentation ein. Am wenigsten Aufwand entsteht, wenn diese Einwilligung im bestehenden Anamneseprozess mitläuft, statt einen zusätzlichen Schritt zu erzeugen. Praxen, die bereits die digitale Patientenaufnahem von Nelly nutzen, haben dafür den passenden Kanal: Anamnesebogen, Datenschutzerklärtung und Einwilligungen erhalten Patienten schon vor dem Termin per Link und füllen sie mit dem eigenen Gerät aus. 
  2. Aktive Bestätigung im Behandlungszimmer: Vor dem Start der Aufnahme fragen Sie kurz nach. Das dauert einen Satz und gibt dem Patienten die Möglichkeit, für sensible Gesprächsteile zu widersprechen.

Hinzu kommen die Anforderungen an den Anbieter selbst: ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, Verarbeitung innerhalb der EU und eine belastbare Regelung zur ärztlichen Schweigepflicht. Zusätzliche Pflichten ergeben sich aus dem EU AI Act

Für welche Zahnarztpraxis eignet sich welche Lösung?

Die passende Lösung hängt davon ab, wo in Ihrem Praxisablauf der Engpass tatsächlich sitzt – nicht davon, welche Technik am modernsten klingt.

Arbeiten Sie diese fünf Punkte durch:

  • Ihr Behandlungsspektrum: Bei überwiegend standardisierten, kurzen Behandlungen mit gleichbleibenden Befundmustern spielen Textbausteine und Diktat ihre Stärken aus. Bei viel Beratung, Aufklärung und längeren Gesprächen – Implantologie, Prothetik, Angstpatienten – gewinnt die KI-Dokumentation deutlich, weil dort das Gespräch der eigentliche Dokumentationsinhalt ist.
  • Wann Sie dokumentieren: Wenn Ihre Dokumentation regelmäßig in den Abend rutscht, hilft ein schnelleres Schreibverfahren nur begrenzt. Dann brauchen Sie ein Verfahren, das während der Behandlung fertig wird.
  • Ihre Personalsituation: Wenn Ihre Stuhlassistenz einen relevanten Teil ihrer Zeit mit der Erfassung verbringt, ist das eine Ressource, die Sie zurückgewinnen können. Bei angespannter Personallage ist das häufig das stärkste Argument.
  • Ihr Praxisverwaltungssystem: Eine Lösung, die nicht zuverlässig in Ihr PVS zurückschreibt, erzeugt einen neuen Medienbruch statt einen alten zu schließen. Klären Sie diesen Punkt vor allen anderen. 
  • Ihre Bereitschaft zur Umstellung: KI-Dokumentation verlangt eine andere Arbeitsweise. Wer gern selbst formuliert und die Kontrolle über jede Wendung behalten möchte, wird mit dem Diktat zufriedener sein.

Wenn Sie bei drei oder mehr dieser Punkte in Richtung KI-Dokumentation tendieren, lohnt sich ein genauerer Blick. Nelly lässt sich in diesem Fall als Partner für die gesamte Patientenreise einsetzen – von der digitalen Anamnese über die Dokumentation bis zur Abrechnung. Perspektivisch soll die KI-Dokumentation zusätzlich um eine Abrechnungsfunktion mit Faktorvorschlägen und Plausibilitätsprüfung ergänzt werden.

Erfahren Sie hier mehr darüber: https://www.getnelly.de/produkte/ki-dokumentation

Fazit: Warum die Frage nicht „ob“, sondern „wie“ lautet

Diktat und KI-Dokumentation lösen dasselbe Problem an unterschiedlichen Stellen. Das Diktat macht das Schreiben schneller, die KI-Dokumentation macht das Schreiben weitgehend überflüssig – und verlagert Ihre Aufgabe auf die Prüfung des Entwurfs. Beides ist der manuellen Eingabe überlegen, und beides verlangt eine bewusste Entscheidung statt eines Bauchgefühls.

Prüfen Sie deshalb zuerst, wo in Ihrem Ablauf die Zeit tatsächlich verloren geht. Wenn die Antwort lautet „abends nach der letzten Behandlung“, dann ist ein schnelleres Diktat nicht die Lösung, sondern nur eine kleinere Version desselben Problems.

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FAQs zu KI-Dokumentation und Diktat

Was ist der Unterschied zwischen Diktat und KI-Dokumentation?

Beim Diktat formulieren Sie den Dokumentationstext selbst, das System schreibt ihn mit. Bei der KI-Dokumentation hört das System dem Behandlungsgespräch zu, filtert die medizinisch relevanten Inhalte heraus und erstellt daraus automatisch einen strukturierten Entwurf, den Sie anschließend prüfen und freigeben.

Ersetzt die KI-Dokumentation die Spracherkennung vollständig?

Nicht zwingend. Für dokumentationsnahe Aufgaben außerhalb des Behandlungsgesprächs – etwa Berichte an Kollegen oder Stellungnahmen – bleibt das Diktat ein sinnvolles Werkzeug. Viele Praxen setzen beides parallel ein und nutzen die KI-Dokumentation gezielt für die Behandlungsdokumentation am Stuhl.

Muss ich Patienten über die KI-Dokumentation informieren?

Ja, zwingend. Die Aufzeichnung des Gesprächs ohne aktive Einwilligung ist nach § 201 StGB strafbar. Informieren Sie Ihre Patienten vorab über Aufzeichnung, Zweck, Speicherdauer und den beteiligten Auftragsverarbeiter, und bieten Sie eine Alternative ohne Aufzeichnung an. Die Einwilligung ist jederzeit widerrufbar.

Redaktion

Nelly Redaktion

Die Redaktion von Nelly beschäftigt sich täglich mit den Herausforderungen und Prozessen im zahnmedizinischen Alltag. Nah an der Praxis und den Menschen, die täglich in ihr arbeiten, bereitet sie digitale Lösungen praxisnah und verständlich auf, damit Zahnärzte und ihre Teams fundierte Entscheidungen für die Zukunft ihrer Praxis treffen können.

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