Praxismanagement

Zahnarztpraxis gründen: Infos, Kosten und Checkliste

Die eigene Zahnarztpraxis zu gründen ist einer der größten Schritte im Berufsleben. Neben medizinischer Kompetenz zählen plötzlich strategische Entscheidungen wie Standortanalyse, Finanzierung und Kostenplanung. Wer hier unvorbereitet startet, riskiert hohe Investitionen und langfristige Fehlentscheidungen. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, worauf es bei der Gründung ankommt und welche Schritte für eine wirtschaftlich stabile Praxis entscheidend sind.

2.4.2026
Robert Adam
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output:  Moderner Krankenhausflur mit Empfang und Pflanzen.

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Über die Praxis

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In diesem Artikel lesen Sie:

Wer darf eine Zahnarztpraxis gründen? 

Die Gründung einer Zahnarztpraxis ist in Deutschland an klare berufsrechtliche Voraussetzungen gebunden. 

Zwingend erforderlich ist die Approbation als Zahnarzt. Sie bildet die rechtliche Grundlage für jede selbstständige Tätigkeit.

Wer gesetzlich versicherte Patienten behandeln und mit den Krankenkassen abrechnen möchte, benötigt zusätzlich die Zulassung als Vertragszahnarzt. Dafür ist die Eintragung ins Zahnarztregister bei der zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigung notwendig. 

Für die Eintragung ins Zahnarztregister ist in der Regel eine mindestens zweijährige Vorbereitungszeit als angestellter Zahnarzt oder Assistenzzahnarzt erforderlich.

Wie viel Umsatz macht eine Zahnarztpraxis im Monat? 

Der Monatsumsatz einer Zahnarztpraxis variiert stark nach Standort, Größe und Privatanteil. Eine klassische Einzelpraxis kann ungefähr zwischen 40.000 und 60.000 Euro pro Monat erzielen. Größere oder spezialisierte Praxen können deutlich darüber liegen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Umsatz und Gewinn. Vom Umsatz müssen unter anderem Personal-, Material-, Miet- und Finanzierungskosten gedeckt werden. 

Wie viel am Ende tatsächlich beim Praxisinhaber verbleibt, hängt maßgeblich von Auslastung, Kostenstruktur und Organisation ab.

Zahnarztpraxis gründen: Neu aufbauen oder bestehende Praxis übernehmen?  

Wer eine Zahnarztpraxis gründen möchte, muss entscheiden, ob er neu startet oder eine bestehende Praxis übernimmt. 

Beide Wege führen in die Selbstständigkeit, unterscheiden sich jedoch deutlich bei Kapitalbedarf, Risiko und Gestaltungsspielraum.

Neugründung einer Zahnarztpraxis

Eine Neugründung bietet maximale Gestaltungsfreiheit. Standort, Raumkonzept, Ausstattung und Positionierung lassen sich von Beginn an strategisch planen. Auch Prozesse können direkt modern und digital aufgebaut werden.

Dem stehen allerdings höhere Anfangsinvestitionen gegenüber. Zusätzlich muss in der Startphase mit einer geringeren Auslastung gerechnet werden, sodass ausreichende Liquiditätsreserven entscheidend sind.

Laut Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank lag 2023 das durchschnittliche Finanzierungsvolumen für eine vollständige Neugründung bei 770.000 Euro

Praxisübernahme 

Die Übernahme einer bestehenden Einzelpraxis ist meist planbarer als eine Neugründung. Ein vorhandener Patientenstamm, ein eingespieltes Team und laufende Umsätze reduzieren das wirtschaftliche Risiko in der Startphase.

Dem gegenüber stehen geringere Gestaltungsfreiheit und mögliche Modernisierungskosten. Standort, Ruf und Strukturen sind bereits vorgegeben.

Nach derselben apoBank-Analyse lag das durchschnittliche Investitionsvolumen für die Übernahme einer Einzelpraxis 2023 bei rund 463.000 Euro. Der tatsächliche Kaufpreis hängt stark von Lage und Umsatzniveau ab.

Mehr Informationen zum Thema Praxisübernahme finden Sie hier.

Was lohnt sich mehr?

Wirtschaftlich ist eine Übernahme häufig planbarer, während die Neugründung langfristig mehr strategische Freiheit bietet. Die richtige Wahl hängt von Standort, Kapitalausstattung, persönlichem Risikoprofil und unternehmerischen Zielen ab.

Die Kosten der Gründung einer Zahnarztpraxis im Überblick

Die Gesamtkosten einer Praxisgründung setzen sich aus einmaligen Investitionen und laufenden Betriebskosten zusammen. Während bei einer Neugründung hohe Anfangsinvestitionen anfallen, entstehen nach der Eröffnung dauerhafte Fixkosten, die in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden müssen.

Die Kosten der Neugründung

Bei einer vollständigen Neugründung fallen insbesondere folgende Investitionen an:

  • Praxisräume und Umbau: Mietausbau, bauliche Anpassungen, Elektrik, Wasseranschlüsse, Hygienekonzepte.
  • Medizintechnik und Ausstattung: Behandlungseinheiten, Röntgengeräte, Sterilisationssysteme, IT-Infrastruktur.
  • Einrichtung und Mobiliar: Empfang, Wartezimmer, Sozialräume.
  • Planung, Beratung und Genehmigungen: Architekt, Fachplaner, Rechtsberatung.
  • Betriebsmittel und Liquiditätsreserve: Rücklagen für die Anlaufphase.

Laufende Kosten nach der Gründung 

Nach der Eröffnung entstehen monatliche Fixkosten, die unabhängig vom Umsatz gedeckt werden müssen:

  • Personalkosten 
  • Miete oder Darlehensrate
  • Material- und Laborkosten
  • Versicherungen und Beiträge
  • IT, Software und Wartung
  • Steuerberatung und Verwaltung

Der größte Kostenblock sind in der Regel die Personalkosten, gefolgt von Material- und Laborkosten. Raumkosten oder Finanzierungsraten stellen je nach Standort und Investitionshöhe weitere wesentliche Fixkosten dar.

Wie hoch die Gesamtkosten im Verhältnis zum Umsatz ausfallen, hängt stark von Praxisgröße, Teamstruktur und Leistungsmix ab. Eine realistische Liquiditätsplanung ist daher entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität.

Finanzierung und Businessplan für die Zahnarztpraxis

Die Finanzierung ist einer der entscheidenden Faktoren bei der Praxisgründung. Banken prüfen nicht nur die Investitionssumme, sondern vor allem die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Vorhabens. Grundlage dafür ist ein belastbarer Businessplan.

Eigenkapital und Fremdfinanzierung

In der Regel wird eine Zahnarztpraxis über eine Kombination aus Eigenkapital und Bankdarlehen finanziert. In vielen Fällen wird ein Eigenkapitalanteil von etwa 10 bis 20 Prozent empfohlen. Die tatsächlichen Anforderungen hängen jedoch von Bank, Bonität und Förderstruktur ab.

Die Laufzeiten von Praxisdarlehen liegen häufig im Bereich von 10 oder mehr Jahren, abhängig von Finanzierungsmodell und Förderprogramm.

Zusätzlich sollte eine Liquiditätsreserve für mehrere Monate Fixkosten eingeplant werden, da die Auslastung zu Beginn oft noch nicht stabil ist.

Inhalt eines Businessplans

Ein professioneller Businessplan sollte enthalten:

  • Standortanalyse und Wettbewerbssituation
  • Beschreibung des Leistungsspektrums
  • Investitions- und Finanzierungsplan
  • realistische Umsatz- und Kostenprognose
  • Liquiditätsplanung für mindestens die ersten drei Jahre

Entscheidend ist, dass die Annahmen nachvollziehbar und realistisch sind. Banken prüfen insbesondere, ob Umsatzprognosen zur regionalen Marktsituation passen und ob die Praxis Kreditraten dauerhaft tragen kann.

Fördermöglichkeiten

Für Gründer kommen Förderprogramme der KfW sowie regionale Förderbanken infrage. Besonders relevant sind ERP-Gründerkredite oder Förderdarlehen für Praxisübernahmen. Welche Programme konkret passen, hängt vom Bundesland und Finanzierungskonzept ab.

In 5 Schritten zur eigenen Zahnarztpraxis

Der Weg in die Selbstständigkeit lässt sich in 5 zentrale Phasen gliedern. Viele Schritte laufen parallel, dennoch hilft diese Struktur bei der Planung.

1. Strategie und Positionierung festlegen

Am Anfang steht die grundsätzliche Ausrichtung der Praxis. Das bedeutet nicht zwingend Spezialisierung, sondern Klarheit darüber, wie die Praxis wirtschaftlich arbeiten soll.

Zu klären sind unter anderem:

  • Praxisprofil: klassische allgemeine Zahnarztpraxis oder mit klaren Schwerpunkten wie Implantologie, Prothetik oder ästhetische Leistungen

  • Zielgruppe: Familien, Privatpatienten, ältere Patienten, ländliche Grundversorgung oder urbane Mischstruktur

  • Standortstrategie: Innenstadtlage mit hoher Frequenz, Ärztehaus, Wohngebiet oder unterversorgter ländlicher Raum

  • Wachstumsplanung: langfristig Einzelbehandler bleiben oder Ausbau mit angestellten Zahnärzten

Diese Entscheidungen beeinflussen Investitionshöhe, Raumgröße, Personalbedarf und Marketing. Wer hier unscharf plant, zahlt später potenziell stärker drauf.

2. Rechtsform wählen und Zulassung sichern

Nun werden die rechtlichen Grundlagen geschaffen. Dabei geht es mitunter um Haftung, steuerliche Belastung und spätere Erweiterungsmöglichkeiten.

Zu klären sind:

  • Rechtsform: Einzelpraxis (volle Kontrolle, volle Haftung), Berufsausübungsgemeinschaft oder Partnerschaftsgesellschaft (geteiltes Risiko, gemeinsame Verantwortung)
  • Haftung und Steuerstruktur: Wie werden Gewinne verteilt? Wer haftet bei Behandlungsfehlern oder wirtschaftlichen Problemen?
  • Zulassung als Vertragszahnarzt, sofern gesetzlich Versicherte behandelt werden sollen.
  • Eintragung ins Zahnarztregister bei der zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigung.

Gerade bei Kooperationen sollten Gesellschaftsvertrag, Entscheidungsbefugnisse und Gewinnverteilung klar geregelt sein. Fehler in dieser Phase wirken oft langfristig nach.

Auf Basis des Businessplans werden konkrete Finanzierungsentscheidungen getroffen.

Dazu gehören:

  • Eigenkapitalhöhe festlegen
  • Bankdarlehen verhandeln
  • Förderprogramme prüfen
  • Tilgungsstruktur und Laufzeit abstimmen
  • Liquiditätsreserve für die Anlaufphase einplanen

Wichtig ist eine realistische Planung. Zu optimistische Umsatzannahmen können später zu Problemen führen. 

4. Räume planen und Ausstattung beschaffen

Jetzt wird aus dem Konzept eine funktionierende Praxis.

Zu berücksichtigen sind:

  • Anzahl der Behandlungszimmer und mögliche Erweiterungsoptionen
  • Hygienekonzepte und gesetzliche Anforderungen
  • Auswahl der Medizintechnik
  • IT-Infrastruktur und Praxissoftware
  • Zeitplanung für Umbau oder Übergabe

Eine vorausschauende Planung verhindert spätere teure Umrüstungen.

5. Team aufbauen und Patienten gewinnen

Parallel zur Bau- oder Übergabephase beginnt der organisatorische Aufbau.

Wichtige Punkte sind:

  • Einstellung von ZFA und ggf. angestellten Zahnärzten
  • Definition klarer Abläufe und Verantwortlichkeiten
  • Aufbau der Online-Sichtbarkeit (Website, Google-Unternehmensprofil und je nach Möglichkeit Social Media)
  • Lokale Vernetzung und Empfehlungsmarketing

Ziel ist eine stabile Auslastung möglichst früh nach der Eröffnung.

Praktische Checkliste für die Gründung der Zahnarztpraxis

Die folgende Übersicht hilft, die wichtigsten Schritte strukturiert abzuarbeiten:

1. Rechtliches und Zulassung

  • Approbation prüfen
  • Vorbereitungszeit (mind. 2 Jahre) nachweisen
  • Eintragung ins Zahnarztregister beantragen
  • Kassenzulassung beantragen (falls GKV-Patienten geplant sind)
  • Mitgliedschaft in der zuständigen Zahnärztekammer klären
  • Rechtsform festlegen
  • Gesellschaftsvertrag prüfen oder erstellen lassen
  • Berufshaftpflichtversicherung abschließen
  • Röntgengenehmigung bzw. Anzeige bei der zuständigen Behörde klären

2. Finanzierung und Planung

  • Businessplan finalisieren
  • Eigenkapital festlegen
  • Finanzierungsgespräche führen
  • Förderprogramme prüfen
  • Liquiditätsreserve kalkulieren

3. Standort und Räume

  • Mietvertrag oder Kaufvertrag prüfen
  • Umbau- und Raumkonzept planen
  • Hygienekonzept abstimmen
  • Genehmigungen einholen
  • Bau- und Lieferzeiten abstimmen

4. Technik und Ausstattung

5. Organisation und Team

  • Mitarbeiter einstellen
  • Arbeitsverträge vorbereiten
  • Praxisabläufe definieren
  • Versicherungen abschließen

6. Marketing und Sichtbarkeit

  • Praxisname festlegen
  • Website erstellen
  • Google-Unternehmensprofil einrichten
  • Lokale Sichtbarkeit aufbauen

Zahnarztpraxis von Anfang an digitalisieren mit Nelly

Wer heute eine Zahnarztpraxis gründet, sollte Prozesse nicht erst analog aufbauen, um sie später aufwändig zu digitalisieren. Mit Nelly lassen sich zentrale Abläufe von Beginn an strukturiert digital aufsetzen.

Was Nelly für Sie je nach Bedarf abdecken kann:

Statt Papier, Medienbrüchen und manueller Nacharbeit entstehen klare, effiziente Prozesse – skalierbar vom ersten Behandlungstag an. Wie das in der Zahnarztpraxis Drehbahn 7 konkret umgesetzt wurde, erfahren Sie in unserem Kurzbericht.

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Häufige Fragen

Gibt es in Deutschland einen Zahnärztemangel? 

Deutschlandweit besteht derzeit kein flächendeckender Zahnärztemangel. Die Gesamtzahl der zugelassenen Zahnärzte ist stabil. Allerdings gibt es regionale Unterschiede: In ländlichen Regionen und strukturschwachen Gebieten kann die Nachbesetzung von Praxen schwieriger sein, während in Ballungsräumen häufig eine hohe Zahnarztdichte besteht. Entscheidend ist daher weniger die bundesweite Zahl, sondern die regionale Versorgungssituation. Für Praxisgründer kann eine unterversorgte Region strategisch attraktiv sein.

Woran verdient ein Zahnarzt am meisten?

Die Einnahmen hängen stark vom Leistungsspektrum ab. Besonders wirtschaftlich sind in der Regel:

  • Implantologie
  • hochwertiger Zahnersatz
  • ästhetische Behandlungen
  • privatärztliche Leistungen

Der Anteil privat vergüteter Leistungen beeinflusst die Wirtschaftlichkeit einer Praxis erheblich. Gleichzeitig sind Auslastung, effiziente Abläufe und eine klare Positionierung ebenfalls entscheidend.

Wie viel verdient ein Zahnarzt mit eigener Praxis pro Monat? 

Das Einkommen eines selbständigen Zahnarztes hängt von Umsatz, Kostenstruktur und Praxisgröße ab. Entscheidend ist der Gewinn nach Abzug aller laufenden Kosten. Bei wirtschaftlich stabil geführten Einzelpraxen kann das monatliche Inhabereinkommen im mittleren fünfstelligen Bereich liegen – je nach Auslastung und Struktur auch darunter oder deutlich darüber.

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Robert Adam

Autor

Robert Adam ist SEO-Content-Spezialist und Betreiber von clickfound.de. Er unterstützt Unternehmen und Tech-Startups dabei, komplexe Themen zu recherchieren und verständlich aufzubereiten.

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