Was ist ein MVZ?
Ein Medizinisches Versorgungszentrum ist eine besondere Organisationsform in der ambulanten Versorgung. Es besteht seit 2004 als gesetzlich geregelte Möglichkeit, mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen unter einem Dach zusammenzuführen.
Ein MVZ kann von Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten oder anderen zugelassenen Trägern gegründet werden.
Im Unterschied zur klassischen Einzelpraxis steht hier die gemeinsame Arbeit im Vordergrund. Patienten können mehrere Fachrichtungen an einem Standort in Anspruch nehmen, während die Ärzte ihre Leistungen abgestimmt erbringen.
Rechtlich gilt das MVZ als eigene Einheit. Es hat einen ärztlichen Leiter und rechnet seine Leistungen über die Kassenärztliche Vereinigung ab.
Vorteile eines MVZ
Allgemeine Vorteile
- Planbarkeit: Ärzte im MVZ haben feste Arbeitszeiten und müssen sich weniger mit Verwaltungsaufgaben befassen.
- Sicherheit: Das wirtschaftliche Risiko liegt beim Träger, nicht beim einzelnen Arzt.
- Teamarbeit: Mehrere Fachrichtungen arbeiten Hand in Hand, was Überweisungen und Diagnosen erleichtert.
Vorteile für Krankenhäuser
- Patientenbindung: Kliniken können ihre Patienten auch nach einem stationären Aufenthalt weiter ambulant versorgen.
- Neue Einnahmen: Durch ein MVZ lässt sich das Leistungsspektrum erweitern und zusätzliche Erlöse erzielen.
- Attraktivität als Arbeitgeber: Junge Ärzte bevorzugen häufig die Sicherheit einer Anstellung im MVZ.

Vorteile für Patienten
- Alles an einem Ort: Patienten können verschiedene Fachärzte unter einem Dach aufsuchen.
- Schnellere Abläufe: Ergebnisse und Therapieentscheidungen erfolgen schneller durch die enge Abstimmung der Ärzte.
- Langfristige Betreuung: Besonders chronisch Kranke profitieren von der koordinierten Zusammenarbeit im Team.
- Bessere ländliche Versorgung: MVZ tragen zur Versorgung in ländlichen Regionen bei.
Nachteile eines MVZ
Neben den Vorteilen gibt es allerdings aber auch einige Nachteile:
- Weniger Eigenständigkeit: Angestellte Ärzte haben oft keinen Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen.
- Kommerzialisierung: Bei investorengeführten MVZ kann das Renditeziel stärker im Vordergrund stehen als die medizinische Versorgung.
- Abhängigkeit vom Träger: Die Ausrichtung des MVZ hängt stark von dessen Interessen ab.
- Weniger persönliche Bindung: Manche Patienten empfinden die Betreuung in einem MVZ als anonymer als in einer Einzelpraxis.
Und zuletzt: Besonders in der Zahnmedizin entstehen zunehmend investorengetragene MVZ. Das sorgt für Kritik, weil angenommen wird, dass wirtschaftliche Interessen stark in den Vordergrund rücken. Die Bundesregierung plant deshalb 2025 strengere Regeln, um den Einfluss von Kapitalgesellschaften zu begrenzen.
MVZ gründen: Voraussetzungen, Finanzierung & Rechtsformen
Die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums ist an klare gesetzliche Vorgaben gebunden. Neben organisatorischen Anforderungen spielt auch die Wahl des Trägers und der Rechtsform eine entscheidende Rolle.
Voraussetzungen für die Gründung
Damit ein MVZ zugelassen wird, müssen mindestens zwei Ärzte im Zentrum tätig sein, die zusammen einen vollen Versorgungsauftrag erfüllen. Zusätzlich ist ein ärztlicher Leiter erforderlich, der die medizinische Verantwortung trägt. Die Genehmigung erteilt der zuständige Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung.
Gründungsberechtigt sind:
- zugelassene Ärzte
- Krankenhäuser
- Kommunen
- Dialysezentren
- gemeinnützige Organisationen
Finanzierung: Träger und Investoren
Die Finanzierung hängt stark von der Trägerstruktur ab. Klassisch übernehmen Krankenhäuser oder Ärztegruppen die Kosten und sichern sich die Einnahmen aus der ambulanten Versorgung. In den letzten Jahren treten jedoch auch vermehrt private Investoren auf, die MVZ mit dem Ziel betreiben, Rendite zu erzielen. Das sorgt regelmäßig für Diskussionen, ist aber rechtlich zulässig. Für angestellte Ärzte bedeutet dieses Modell vor allem finanzielle Sicherheit, da sie selbst kein wirtschaftliches Risiko tragen.
Mögliche Rechtsformen eines MVZ
Am häufigsten wird die GmbH gewählt, daneben auch die GbR oder die Partnerschaftsgesellschaft. Möglich, aber in der Praxis selten, ist die Gründung als Genossenschaft. Aktiengesellschaften dürfen seit 2012 nicht mehr als neue Träger auftreten, bestehende MVZ in dieser Form genießen jedoch Bestandsschutz.
Wie kann man ein MVZ auflösen?
Wird ein MVZ aufgelöst, erlischt auch seine Zulassung. Die betroffenen Arztsitze fallen an die Kassenärztliche Vereinigung zurück. Zudem muss geregelt werden, was mit Patientenakten geschieht. Patienten sollten frühzeitig informiert werden, damit ihre Behandlung nahtlos weitergeführt werden kann.
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Häufige Fragen
Warum gründet man ein MVZ?
Ein MVZ wird gegründet, um mehrere Fachrichtungen unter einem Dach zu bündeln und dadurch Patienten umfassender zu versorgen. Für Krankenhäuser ist es zudem eine Möglichkeit, Patienten auch nach einem stationären Aufenthalt weiter ambulant zu betreuen und zusätzliche Einnahmen zu generieren. Ärzte wiederum profitieren von einer Anstellung mit geregelten Arbeitszeiten und weniger Verwaltungsaufwand.
Was sind die Vor- und Nachteile eines MVZ?
Zu den Vorteilen zählen die bessere Planbarkeit für Ärzte, die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, die Erweiterung des Leistungsspektrums für Krankenhäuser sowie eine einfachere Versorgung für Patienten. Nachteile entstehen vor allem durch die eingeschränkte unternehmerische Freiheit der Ärzte, die wirtschaftliche Ausrichtung mancher Träger und eine oft weniger persönliche Arzt-Patienten-Bindung.
Sind Ärzte im MVZ angestellt?
Ja, in den meisten Fällen arbeiten Ärzte im MVZ in einem Angestelltenverhältnis. Das bedeutet, sie tragen nicht das wirtschaftliche Risiko und können sich stärker auf die medizinische Tätigkeit konzentrieren. In manchen Konstellationen ist aber auch eine Tätigkeit als Gesellschafter-Arzt möglich, wenn der Träger dies vorsieht.